Blutbuche Brüggen 2012: „Geschichtenerzähler gesucht“

Der Kreuzherrenplatz in Brüggen, der Platz an den Rathaus, Pfarrkirche und Gastronomie angrenzen, der Platz den eine stattliche Blutbuche schmückt – oft ist er so was wie die gute Stube der Gemeinde. An manchen Tagen im Jahr für einige sogar der Nabel der Welt.

Interview mit Nicole Peters, Künstlerin aus Goch mit dem Schwerpunkt soziale Plastiken:

Frau Peters, was interessiert Sie an dem Platz?

Ich sammle Geschichten für mein Projekt „Blutbuche Brüggen 2012“.

Welche Geschichten?

Die Geschichten der Büggener zum Kreuzherrenplatz. Auf dem Platz und in den angrenzenden Gebäuden wird sich somit eine ganze Menge zugetragen haben. Es wurde geheiratet, getauft und regelmäßig bei den Jahresfesten das ein oder andere Bier die Kehle runtergespült. Brüggens Feierlustigkeit blieb zum Beispiel nicht immer folgenlos – mal wurde die Blutbuche mit vielen Lichterketten dekoriert – sehr zum Ärgernis des Bürgermeisters. Mal wurde ein Brunnen auf dem Platz mit Waschpulver versetzt – das fand dann ein anderer Bürgermeister gar nicht toll.

Ich sammele lustige oder traurige, kuriose oder verstörende, rührende oder stolze, gerade erst passierte oder schon hundert Jahre alte Geschichten.

Und? Finden Sie welche?

Ja und nein. Es gibt wunderschöne Geschichten zu dem Platz. Aber ich vermute, viele potenzielle Geschichtenerzähler sind einfach zu schüchtern. Sie meinen Ihre Geschichte sei es nicht wert, erzählt zu werden. Und gerade das ist so schade. Denn jede Geschichte ist wichtig. Denn sie ist ein Teil in dem Puzzle des Kreuzherrenplatzes. Je mehr Geschichten zusammen kommen, desto vielfältiger ist das Bild der Gemeinde Brüggen.

Das Merkwürdige ist, je mehr man einsteigt in diese Arbeit, desto mehr Fragen tun sich auf. Ich alleine kann dieses Projekt gar nicht machen. Ich bin gnadenlos angewiesen auf die Mithilfe der Brüggener.“ Wer kennt denn noch das Feuerwerk zu Sankt Martin aus den Bullaugen des Kreuzherrenklosters? Wer hat zu Zeiten am Tresen gestanden, als man noch aus der Kneipe heraus der Sonntagsmesse beiwohnen konnte? Wer kann von der Zerstörung 1945 erzählen? Und wer hat gerade erst in der Kirche seine erste heilige Kommunion gefeiert? Wer hat auf dem Platz seine Liebe fürs Leben gefunden? Welche Kuriositäten gibt es bei der täglichen Verwaltungsarbeit? Welche merkwürdigen Kunden bedient man in den Geschäften rund um den Platz? Und welcher dolle Coup wurde nach dem x-ten Bier oder Wein in der Kneipe beschlossen und umgesetzt? Wer hat als Handwerker an dem Platz oder an den angrenzenden Gebäuden gearbeitet? Wer hat im Kreuzherrenhof gewohnt? Wessen Vorfahren haben in der Seidenweberei im Kreuzherrenkloster ihren Lohn verdient? Und wer war heimlich in Pfarrers Garten? Welche Geschichten hat die Blutbuche erlebt? Und welche ereigneten sich weit vor ihrer Zeit?

Was passiert dann mit den Geschichten?

Sie werden Teil einer Installation am 8. und 9. September 2012 auf dem Kreuzherrenplatz. Und sie werden Brüggen verlassen.

Wie?

Zusammen mit einer kleinen Blutbuche! Ich hege und pflege gerade 200 kleine Blutbuchen. Viele von denen suchen noch ein neues Zuhause. Das kann in Brüggen sein, oder aber auf einem anderen Fleckchen Erde.

Gehört dann zu jeder Blutbuche eine Geschichte?

Richtig! Am 8. und 9. September 2012 stelle ich ein Gewächshaus auf den Kreuzherrenplatz. Texte und Fotos, die ich bis dahin gemacht und gesammelt habe fließen ein in eine Installation und Lichtprojektion. In dem Gewächshaus gibt es dann neben den Blutbuchen auch eine Bank. Dort trifft ein Geschichtenerzähler auf einen Blutbuchenpflanzer. Jeweils eine ganz bestimmte Geschichte ist somit jeweils an eine der 200 Blutbuchen gebunden. Der Blutbuchenpflanzer nimmt diese mit der Blutbuche mit nach Hause – ebenso wie die Begegnung mit dem Geschichtenerzähler. Zusätzlich präsentiere ich das Projekt „Blutbuche Brüggen 2012“ auch auf der Floriade in Venlo und zwar im NRW-Pavillon am 23. und 29.04.2012.

Ein Blutbuchen-Geschichten Netz verbindet dann 200 Orte auf der Welt mit Brüggen?

So der Plan. Ein Netz aus Herzensverbindungen, aus dem auch mehr werden könnte. Jedoch nur, wenn viele Brüggener mitspinnen, Geschichten erzählen, Blutbuchenpflanzer finden. In alten Fotoalben stöbern und Ansatzpunkte für neue „Alte Geschichten“ finden. Also liebe Brüggener – bitte macht mit. Erzählt mir Geschichten. Findet Blutbuchenpflanzer. Ich freue mich auf Ihre E-Mails, Telefonate, Zuschriften unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! , Telefon: +49 (0)2823 9760306 oder mobil +49 (0)174 4621098 oder postalisch an Maasstraße 12, 47574 Goch.