Vater, Mutter und Baby vor einem Baum

Brachter Geschichte wird durchleuchtet

Wer im Moment das Kreisarchiv in der Kempener Burg besucht, findet im Benutzerbuch häufig bei Zweck lapidar das Wort „Bracht“ geschrieben. Genauer müsste es „Ortsgeschichte Bracht“ heißen, denn das Jubiläum  des Ortes im Jahr 2016 wirft seine Schatten voraus. „Jetzt schon?“, wird sich mancher fragen. Für die Forscher aber ist es bis zur  900-Jahr-Feier nicht mehr so lange hin.

Anlässlich des für Bracht so besonderen Jubiläums hat der Rat der Burggemeinde Brüggen ein Autorenkollektiv beauftragt, die „Geschichte der niederrheinischen Gemeinde von der Frühzeit bis zur Gegenwart“ zu erforschen. Unter der Schriftleitung der Historikerin Dr. Ina Germes-Dohmen haben sich renommierte Fachleute bereitgefunden, sich ausführlich mit Bracht und seiner Geschichte zu beschäftigen. Dafür aber ist die erste Anlaufstelle das Kreisarchiv. Hier lagern im Gemeindearchiv allein aus dem 19. und 20. Jahrhundert über 2000 Akten, in denen Schriftverkehr zur Kommunalverwaltung, zum Gewerbe, zu Schulen, Gesundheitswesen oder der Landwirtschaft aufbewahrt werden. Ebenfalls im Kreisarchiv müssen Zeitungen eingesehen werden oder auch die Akten des Landratsamtes. Hinzu kommen die Unterlagen der Pfarrarchive und mancher übergeordneten Stellen.  „Wenn wir fertig sind, werden wir wohl fast eine halbe Million Blatt Papier in der Hand  gehabt haben.“ Die Schwierigkeit besteht wie immer darin, aus der riesigen Datenmenge das Wichtige und für die Leserschaft Interessante herauszufiltern. Denn in den Akten z. B. des 19. und 20. Jahrhunderts findet man nahezu jedes Thema, vom Brand beim Bauern Bolten im Boerholz im März 1818, über die Viehzählung 1932  bis zur genauen Zahl der bestellten Stimmzettel für die Bundestagswahl am 6.9.1953. Das muss zunächst alles gesichtet und ausgewertet werden. „Oft gibt es auch Kleinigkeiten, an denen man sich festliest  und – schwupp – ist die Zeit schon wieder rum“, lacht Germes-Dohmen.

Außer der Geschichte von den frühesten archäologischen Funden (bearb. von Dr. Clive Bridger-Kraus) bis zur kommunalen Neugliederung und Bracht als einem Ortsteil der Burggemeinde Brüggen (Erich Benner) werden auch Themen wie Bodenkunde und klimatische Verhältnisse (Alfred Dickhof/Dr. Reinhold Roth), Denkmäler und Persönlichkeiten (Eva-Maria Willemsen), Sprache (Dr. Georg Cornelissen) und Vereine (Andrea Rönz) zum Tragen kommen. Die Geschichte Brachts seit dem Mittelalter bis 1970 teilen sich vier Bearbeiter: Prof. Dr. Margert Wensky, Prof. Dr. Leo Peters, Dr. Ina Germes-Dohmen und Dr. Paul Schrömbges. Ende letzten Jahres sind die Autorenverträge unterschrieben worden, nun kann also drei Jahre geforscht und geschrieben werden. Für die Beiträge zu Sprache und Vereinsleben werden die Brachter noch einbezogen werden.