brueggen2011

Zukunftswerkstatt

"Wie wollen die Bürgerinnen und Bürger von Bracht künftig in ihrem Dorf leben, wohnen, arbeiten, spie-len, bauen ...?" 31 Bürgerinnen und Bürger - von engagierten Jugendlichen bis zum erfahrenen Senior - fanden sich am vergangenen Sonntag zu einer "Zukunftswerkstatt" ein, um Vorstellungen zu diesem Thema zu entwickeln. Zu dem ganztägigen Workshop hatte das Planungsbüro Urgatz aus Aachen ge-meinsam mit dem Bürgermeister der Gemeinde Brüggen im Rahmen der Dorfentwicklungsplanung eingeladen. Für die Veranstaltung stellte die evangelische Kirchengemeinde Bracht – Breyell ihr Gemeindehaus in Bracht zur Verfügung. Die Küsterin und ihr Mann hatten alles vortrefflich vorbereitet.

Die "Zukunftswerkstatt" ist eine besondere Art des Workshops, in dem mit Phantasie, frei von den Zwängen des Alltags, Vorstellungen entwickelt werden, die zu konkreten, zukunftsfähigen Lösungen führen sollen. In der ersten Phase, der Kritikphase, setzten sich die Bürgerinnen und Bürger zunächst mit der Frage auseinander "Was gefällt Ihnen nicht an Bracht". Hier hagelte es erwartungsgemäß Kritik rund um das Thema Ortskern. Doch nicht nur das Erscheinungsbild („Dingelstad-Platz nicht schön - zu viele Mauern, Zu viele dunkle Ecken in Bracht, Zu wenig Sauberkeit - Hundekot, Müll, etc., …“) auch die lückenhafte Infrastruktur (Geschäfte, Bürgertreff, Ärzte, …) und das Leben miteinander („Barriere-freiheit fehlt, Brachter haben eine negative Einstellung zu Bracht, Vandalismus und fehlende Kontrollen, Angebote für Kinder + Jugendliche fehlen, …“) wurde kritisch betrachtet. Die Bekämpfung des Immobilienleerstands liegt den Brachter auch sehr am Herzen. Weitere wichtige Themen waren Ver-kehr & ÖPNV, Grün, Ortsrand & Naherholung sowie die politische Rolle in der Gemeinde.

"Die Kritik soll nun zum Positiven gewendet werden". Damit leitete Dipl.-Ing. Elke Ostenda, die die Werkstatt mit Einfühlungsvermögen und fester Hand sachkundig und geschickt moderierte, die Phantasiephase ein. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer konnten zunächst ihr schauspielerisches Können beweisen, indem sie - unter viel Beifall – in Sekundenschnelle einige Pantomimen aufführten. Nach dieser mentalen Lockerung entwarfen sie in sechs Gruppen Bilder zum Thema "Wie sollte Bracht im Jahr 2025 aussehen?". Auch hier zeigte sich, dass jeder über verborgene Talente verfügt. Aus Bildern und Erläuterungen entstanden viele faszinierende Ideen zum Bracht von morgen.

Hinter dem Titel „Bracht mobil bei Arbeit, Sport und Spiel“ verbirgt sich die Vision eines komplett auto-freien Ortskerns, verkehrsberuhigte Wallstraßen, optimale Anbindung der Honschaften und der größe-ren Städte mit öffentlichem Verkehr, ein intelligentes Radwegenetz sowie eine E-Bike-Ladestation. Die Gruppen, die ihren Schwerpunkt auf das Leben in Bracht und den Kindern und Jugendlichen legten, entwarfen einen Ort zum Wohlfühlen mit sauberen Treffpunkten, die jeder Altersgruppe gefallen, kurzen Wegen zu Freunden, einer guten Infrastruktur und freundlich gestalteten Häusern. Das Woh-nungsangebot richtet sich besonders auch an Senioren und Studenten. Historische Gebäude sollen erhalten werden.

Ohne Grün geht es nach den Vorstellungen der Teilnehmer nicht. Doch wünscht man sich ein Pflanz-konzept für den Ortskern und die umliegenden Straßen & Wege, dass mit der jeweiligen Nutzung har-moniert. So könnten im Ortskern mehr blühende Pflanzen als Strauchwerk wachsen. Der alte Pfarrgarten kann als grüne Oase entwickelt und geöffnet werden. Der Bischof-Dingelstad-Platz wird als zentraler Ortskern gesehen. Dort soll künftig ein Vereinsbaum aufgestellt, der Wochenmarkt hierher verlegt und die umgebenden Mauern geöffnet werden. Mit Bäumen, Sitzbänken und Brunnen erhält der Platz mehr Aufenthaltsqualität.

Nach einem schmackhaften Mittagsimbiss, den die Brachter Bäckerei Lehnen organisiert und gestiftet hatte, und dem Abschluss der Phantasiephase entstand sogleich viel Bewegung im Raum, ein kleines Spiel sorgte für erhöhte Herzfrequenz, die der Mittagsmüdigkeit keine Chance ließ. Alle konnten frisch und munter in die Realisierungsphase eintreten. Nun ging es darum, Schritt für Schritt die Visionen in praxisorientierte Lösungsansätze zu überführen. Wie in den anderen Phasen wechselte sich auch hier die Arbeit in Kleingruppen und im Plenum ab. Die einzelnen faszinierenden Ideen wurden weiter im Detail beleuchtet und Maßnahmen angedacht, wie diese Ziele erreicht werden können.

Im letzten Schritt entstanden fünf konkrete Projektskizzen, die sich vornehmlich auf „Planungsinstrumente“ beziehen. So möchte man im Rat der Gemeinde Brüggen einen Antrag zwecks Bildung eines Bezirksausschusses Bracht stellen. Ein weiterer politischer Antrag soll die Verbesserung der Busan-bindungen zum Inhalt haben. Eine Gruppe möchte den Dorfentwicklungsplan und seine Realisierung begleiten und organisieren. Für die Umgestaltung des Dingelstad-Platzes möchte eine Gruppe die Vorbedingungen eruieren und erste Ideen skizzieren. Ein Dorfaktionstag mit Errichtung eines Vereins-baumes bildet den krönenden Abschluss des Planungsprozesses.

Zum Schluss der Werkstatt zeigten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die mit viel Elan mitge-wirkt hatten, vom ereignisreichen Tag erschöpft aber zufrieden. Die Wände waren dicht tapeziert mit den Ergebnissen des Tages: Stichworte, Bilder, Wandzeitungen. Erstaunlich, wie viel an einem Tag erarbeitet werden kann.
Der gesamte Planungsprozess des Dorfentwicklungsplans wird sich noch bis zu Sommer 2013 erstre-cken. Eine Empfehlung welche Maßnahmen wann umgesetzt werden, wird es erst am Schluss geben können. So kann man sicherstellen, dass die Projekte, die gemeinsam vom Planungsbüro Urgatz und den Bürgerinnen und Bürgern entwickelt werden, aufeinander abgestimmt sind und zu einer nachhalti-gen Dorfentwicklung beitragen.

Zu den nächsten Arbeitskreissitzungen, die für alle Interessierten offen stehen, werden die Bürgerinnen und Bürger rechtzeitig über Presse, Plakate und Internet eingeladen. Im Internet ist die „Zukunft Bracht“ auf der Homepage der Gemeinde Brüggen direkt hier zu finden. Wer sich für einen Newsletter eintragen möchte, kann dies mit einer E-Mail an info@planungsbuero-urgatz.de (Betreff „Bracht“) tun.

Hier erhalten Sie das Protokoll vom 28.10.2012