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Die Methode

Zu jedem Haus existieren Schlüsselgeschichten und tausende Nebengeschichten. Die Hauptgeschichten erschließen sich im Gespräch mit den HausbesitzerInnen, aus Recherchen im Kreisarchiv Viersen, Gemeindearchiv Bracht, wenn man das Glück hat, Akten über das Haus oder deren frühere BewohnerInnen zu finden, aus Fundstücken der umfangreichen Fotosammlung des Privatarchivs von Walter Feyen aus Bracht und Recherchen, die bereits in den Jahrzehnten davor von den Heimatfreunden Bracht und Einzelpersonen zur Familiengeschichte und Geschichte einzelner Häuser und Straßen durchgeführt wurden, wie zum Beispiel der Königstraße und der Marktstraße in Bracht. Die zentralen Themen der Hausgeschichten werden mit Erkenntnissen aus den Akten des Gemeindearchives vertieft.

In diesem Projekt werden zunächst die Hausgeschichten von Privathäusern erzählt, deshalb kann kaum auf Fachliteratur zurückgegriffen werden, ausgenommen bei Privathäusern, die einen Denkmalwert besitzen.

Die Akteure

Ein Haus kann nicht sprechen und auch keine Geschichten erzählen. Das können nur die Menschen, die den Steinen und Tordurchgängen, den Kellergewölben und verwitterten Beschilderungen eine Stimme geben. In Bracht haben sich in den Jahren nach 2013 allein im inneren Ortskern mehr als 20 Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer gefunden, die die Geschichte ihres Hauses und der Menschen, die ihn ihm gelebt haben, erzählen wollen. Sie werden in den nächsten Jahren Tafel für Tafel außen an ihren Brachter Häusern anbringen.

Die Tafeln werden die Geschichte von Weberfamilien mit 18 Kindern erzählen, die alle in dem Haus Platz hatten, obwohl noch die riesigen Webstühle Raum beanspruchten, die Mutter, die nach dem Krieg ihre Familie mit Schmuggeltouren durch den Brachter Wald durchbrachte und sich damit in Lebensgefahr begab, oder die wunderbare Geschichte von eingemauerten Heiligenfiguren, deren Gewänder zu Staub zerfielen, als sie entdeckt wurden. Der letzte Bäcker im Brachter Ortskern darf auf der Tafel vor seinem Haus noch einmal in seiner Backstube arbeiten, obwohl es dann im inneren Ortskern keinen Bäcker mehr geben wird.

Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer sind herzlich eingeladen, sich diesem Projekt anzuschließen und Kontakt aufzunehmen.

Das Projekt

Die Idee entstand im Rahmen der Erarbeitung des Dorfinnenentwicklungsplans für Bracht im Jahr 2013. In der Aufbruchstimmung der Bürgerversammlungen, Workshops und Arbeitskreise, die sich gebildet hatten, um den historischen Ortskern Brachts nachhaltig aufzuwerten und wieder lebens- und liebenswert zu gestalten, stellte die Historikerin Anna Freier aus Bracht ihre Projektidee „Geschichte Präsent – historische Bausteine für ein lebendiges Bracht“ vor.

Ein erster großer Bausteine sind die „Brachter Hausgeschichten“. Geschichte war und ist in Bracht immer präsent aber oft versteckt hinter umgebauten Fassaden, geänderten Straßennamen und in den Erinnerungen der Menschen. Das Projekt will Geschichte im Straßenbild des Brachter Ortskerns sichtbar machen. Jedes Haus hat seine Geschichte. Damit sie sichtbar wird, wird sie in Form von Bildern auf einer Tafel erzählt, die außen an dem jeweiligen Haus angebracht wird. Die Tafeln im DIN A3 Format bestehen aus transparentem Trägermaterial, hinter dem die jeweiligen Fassaden sichtbar sind.

Im Jahr 2016 feiert Bracht seine erste urkundliche Erwähnung im Güterverzeichnis der Benediktiner von Neuwerk vor dann 900 Jahren.

Die Präsentation der Tafeln im Straßenbild von Bracht beginnt in diesem Jahr. In den Folgejahren werden Jahr für Jahr 2-3 Tafeln zu angekündigten Terminen präsentiert.

Die Philosophie

Wir können – immer noch – Lehren aus der Geschichte ziehen, indem wir Kontinuitäten und Veränderungen der Jahrtausende der Menschheitsgeschichte in der Regional- und Lokalgeschichte aufspüren und in den Lösungswegen und Fehlern unserer Vorfahren Handlungsräume für heute erschließen.

Geschichte ist immer präsent, ob wir nun in Bracht oder Berlin leben. Doch sie kommt oft unbequem und spröde daher. Damit sie zum Präsent, zum Geschenk wird, ist es wichtig, sie im eigenen Umfeld zu verstehen, die Motive der handelnden Akteure zu verstehen, die Parallelen zu heute zu ziehen und zu verzeihen. Dann ist Geschichte mehr als ein Panoptikum von Ereignissen mit annektierter Jahreszahl.