Header Markt ohne Grenzen

Fensterkleider

Friedrich Beeker, gelernter Sattler, Polsterer und Dekorateur aus Boerholz suchte nach seiner Meisterprüfung 1960 einen geeigneten Ort für ein Ladenlokal. Da bot die Spar- und Darlehenskasse, heute die Volksbank, ihm das Haus auf der Marktstraße an. Dieses Haus hatte die Kasse von einer Erbengemeinschaft gekauft und wollte zunächst selbst dort einziehen, jedoch entschied man sich im Nachhinein dagegen – das Haus sollte vermietet werden.

Friedrich Beeker, der seine Lehre (1946-1949) zunächst als Sattler und Polsterer begann, erlernte während seiner Zeit als Geselle auch den Beruf des Dekorateurs. Gerade in Zeiten des technischen Fortschritts, in denen Traktoren die Pferde ersetzten und somit der Beruf des Sattlers an Bedeutung verlor, war eine Alternative überlebenswichtig.

Anfänge in Bracht

Im Dezember 1960 zog er mit seiner Frau Adele nach Bracht. Das Haus war schon zu dieser Zeit auf einer Seite zu einem Ladenlokal umgebaut. Im Haus oben lebten Mieter, hinter dem Haus befanden sich noch Stallungen. Die Toilette im Hof wurde noch von den Mietern benutzt. Das Ehepaar Beeker lebte im Erdgeschoss neben dem Ladenlokal.

Das Geschäft wurde in Bracht direkt gut angenommen. Hier wurden die Lederranzen für Kinder hergestellt und repariert. Es wurden Lederhosen genäht – eine solche Lederhose ist auch im Film „Die Vorstadtkrokodile“ aus dem Jahre 1977 zu sehen, in dem der Sohn Heiner mitspielte. Überdies wurden 50 bis 100 Handtaschen im Jahr gefertigt und verkauft. Auch Tischdecken oder ähnliches standen auf der Verkaufsliste. Nicht zuletzt wurden auch Gardinen handgefertigt und in den Haushalten montiert, was sich zum Kerngeschäft entwickelte.

Das Geschäft boomte, und so wurde es jedes Jahr ein bisschen mehr erweitert. Nach dem ersten Umbau 1960 folgte der zweite in den Jahren 1969 und 1970. Das Ladenlokal wurde erweitert, es entstand ein separates Büro sowie die erste Werkstatt. In den Jahren 1974 und 1975 folgte die zweite Werkstatt hinter dem Hof – die Stallungen mussten den Werkstätten weichen.

Vereinbarung von Familie und Geschäft

Das Familienleben – das Ehepaar Beeker hatte drei Söhne – wurde von der Arbeit des Vaters bestimmt. Ein Familienurlaub war eine Rarität, gemeinsame Tagesausflüge ebenfalls. In den ersten Jahren war an Betriebsferien nicht zu denken. Neben Friedrich Beeker half auch seine Frau Adele im Geschäft – sie bügelte u.a. in der Familienküche die Gardinen, während ihre Söhne unter dem Tisch spielten. Der Vater arbeitete meist bis Mitternacht. Wenn einmal der Laden geschlossen wurde, dann nur um die Buchhaltung zu machen.

Das Kerngeschäft - Gardinen

Das Kerngeschäft war und ist die Herstellung von Gardinen, deren Pflege und Instandhaltung. Dabei zeichnet sich die Ware durch Qualität und Handarbeit aus – auch heute noch – nach über 40 Jahren – werden die Gardinen gewaschen, die in der Anfangsphase des Geschäftes gekauft wurden. Zu den jetzigen Kunden zählt nun schon die übernächste Generation. Die Gardinen werden immer noch per Hand von einer eigenen Näherin gefertigt.

Schlechte Zeiten gab es nicht – nur ruhigere Zeiten. Hochphasen waren meist im Frühjahr vor Ostern, wenn die Heizperiode endete oder vor dem Schützenfest. In der Woche wurden 50 bis 60 Gardinen gewaschen, gefärbt, gespannt, von Hand gebügelt und in Falten gelegt. In den Anfängen kostete eine Reinigung 30 Pfennig pro Quadratmeter.

Markenzeichen von Friedrich Beeker war der weiße Kittel – ein Zeichen der Reinheit, dass er in seiner Zeit als Geselle von seinem Meister übernommen hatte.

Wie der Vater, so der Sohn

Heiner Beeker, der seit 1979 mitarbeitete, sogar die Lehre bei seinem Vater machte, übernahm im Jahr 2000 die Geschäfte zusammen mit seiner Frau Evelyn.

Auch wenn es immer mehr Massenware und Fertigprodukte zu kaufen gibt, konnte sich die Firma Beeker stets mit Qualität, modernen Stoffen und Rundum-Service auf dem regionalen Markt behaupten.

Bracht 2016
Pia Terstappen

Bildnachweise und Erläuterungen

Abbildung 1: Friedrich Beeker musste immer mobil bleiben, um seinen Kunden die Ware vor Ort zu montieren - im Jahr 1960 war das erste Fahrzeug eine Vespa. Bildnachweis: Privatbesitz Heiner Beeker

Abbildung 2: Die Eheleute Beeker vor den neuen Räumen der Werkstatt, die früher noch als Stallungen dienten. Bildnachweis: Privatbesitz Heiner Beeker

Abbildung 3: Flyer zur Geschäftseröffnung im Dezember 1960. Bildnachweis: Privatbesitz Heiner Beeker

Abbildung 4: 1969 fand der zweite Umbau des Ladenlokals statt - die komplette untere Etage wurde zum Geschäft. Hier stehen Friedrich Beeker und zwei seiner Söhne vor der Baustelle. Bildnachweis: Privatbesitz Heiner Beeker

Abbildung 5: Eine Schaufenster Dekoration Anfang der 1960er Jahre. Bildnachweis: Privatbesitz Heiner Beeker

Abbildung 6: Der Vespa folgte ein VW Käfer als "Firmenwagen". Bildnachweis: Privatbesitz Heiner Beeker