Erholungssuchende auf einer Bank am Borner See

Die Armut der Brüggener

Autorentreffen zur Ortsgeschichte im Rathaus Brüggen.

Zu einem Gesprächsaustausch mit Bürgermeister Frank Gellen und dem für Kultur zuständigen Sachgebietsleiter Guido Schmidt trafen sich nun Autoren der Ortsgeschichte Brüggen-Born im Rathaus und berichteten vom Stand ihrer Arbeiten. Der Beitrag „Brüggen aus archäologischer Sicht“ wird sich nicht nur mit der Römerzeit beschäftigen, sondern sich bis ins Mittelalter ziehen, da er Grabungen an der Brüggener und der Borner Burg mit einbezieht. Geologe Dr. Reinhold Roth ist mit seinem Beitrag nahezu fertig, wie die anderen erfreut hörten.

Denn seine Erkenntnisse über den Brüggener Boden und seine Beschaffenheit helfen den anderen, geschichtliche Begebenheiten wie den Plaggenhau im Brüggener Busch besser zu verstehen. Die Plaggen sollten der Düngung des schlechten Brüggener Bodens dienen. Von der Armut der Brüggener Bevölkerung im 19. Jahrhundert kann Herausgeberin Dr. Ina Germes-Dohmen ein Lied singen. Denn die wirtschaftlich missliche Lage der Brüggener und Borner zieht sich durch das gesamte Archivgut dieser Zeit, genauso wie der Dauerstreit zwischen den beiden immer konkurrierenden Gemeinden. Auch mit den Nachbarn - ob in Boisheim oder Bracht und Swalmen - gab es viele Streitigkeiten. Auch wenn ein Registrator von außen 1904 beim Neusortieren der Akten „klaren Tisch“ gemacht, sprich vieles weggeworfen hat, konnte Germes-Dohmen für das 19. und beginnende 20. Jahrhundert viel Berichtenswertes erfassen.

Für Mittelalter und Neuzeit kann Professor Margret Wensky nicht so ein dichtes Bild zeichnen. Obwohl sie die Rechnungen des Amtes Brüggen für 300 Jahre durchgearbeitet hat, lässt sich daraus für das Städtchen Brüggen und das Kirchdorf Born nicht viel, aber doch einiges herausholen. Aber in beiden Gemeinden hat der Amtmann anscheinend nicht viel investiert. Auf einen bislang unbekannten Plan des Brüggener Nikolausklosters aus dem 18. Jahrhundert ist Eva-Maria Willemsen gestoßen, die die Bau- und Kunstdenkmäler bearbeitet, ein erfreulicher Fund, wie auch viele Detailinformationen zu Brüggener Denkmälern. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts - also vor allem die Zwanziger Jahre und die Zeit des Nationalsozialismus, die von Dr. Paul Schrömbges erforscht werden - ist die Überlieferung erneut „sehr dünn“.

Alle Forscher waren sich darin einig: „Da ist die Quellenlage in Bracht eine andere und viel bessere gewesen.“ Aber, keine Sorge, versicherte Herausgeberin Germes-Dohmen, wir können dafür zahlreiche andere Bereiche abdecken. „Trotz der direkten Nachbarschaft hat sich in Brüggen und Born vieles ganz anders entwickelt als in Bracht - bis zum heutigen Tag. Und das ist spannend zu verfolgen.“